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Alt 05.05.2008, 16:20
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Fsk18 Storie di vita e malavita

Deutscher Titel: Straßenmädchen-Report

Italien 1975

Laufzeit: 125 min ; uncut






Ein schonungsloser Film über minderjährige Mädchen, die in die Fänger der Kinderprostitution geraten. Wo die „Schulmädchen-Report“-Filme ansatzweise begannen, endet „Srassenmädchen-Report“ mit der gnadenlosen Härte der Realität: Vergewaltigung, Mord und minderjährige Mädchen auf dem Leidensweg zwischen leeren Taschen und vollen Dosen.
Vergesst „Maladolascenza“, hier kommt „Malavita“!


Soweit der Covertext. Dieser ist derart bescheuert geschrieben, daß er fast von Bethmann sein könnte… aber halt, das ist er ja! Zugegeben, einen Exploitaiter zu umschreiben ist sicherlich nicht leicht, zumal wenn es sich um eine derart hirnlose Grütze wie im vorliegenden Falle handelt. Aber dazu komme ich gleich. Was allerdings, um einen modernen Aphorismus zu gebrauchen, „gar nicht geht“, ist der Vergleich, der hier im letzten Satz gezogen wird. Abgesehen davon, daß sich der Texter hier ohnehin auf dünnem Eis bewegt, haben die beiden Filme nun so gar keine Gemeinsamkeiten, die einem Vergleich standhalten. Schon alleine die Tatsache, daß im vorliegenden Streifen alle Darsteller über 18 sind, verbietet jeglichen Vergleich. Aber genug davon, kommen wir zu „Malavita“.

Der Streifen ist tatsächlich ähnlich aufgebaut wie die deutschen „Schulmädchen“-Pendants. Die einzelnen Geschichten werden durch eine dürftige Rahmengeschichte lose verbunden. Die Stories spielen alle in Italien und man gewinnt schnell den Eindruck, in den italienischen Großstädten der 70er Jahre laufen nur Verbrecher, abgewrackte Freaks und völlig durchgeknallte Gestalten herum. Wie der Covertext schon impliziert, geht es also um minderjährige (Schul)mädels, die in die Prostitution abrutschen bzw. dazu gezwungen werden. Die erste Geschichte handelt von einem Mädchen (tut mir leid, ich weiß die einzelnen Rollennamen nicht mehr; ist aber auch egal, die Charaktere sind eigentlich austauschbar) welche nach dem Unfalltod ihres Vaters vom Land in die große Stadt kommt und zunächst einmal bei einer Tante Unterschlupf findet. Sie verknallt sie sich bald in einen Typen, natürlich den Falschen. Hach, wie originell!
Bald ist klar: der Typ ist Zuhälter und arbeitet mit einer Bande von Mädchenschiebern zusammen. Es folgt die übliche Zuhältergeschichte (ich hab finanzielle Probleme; wenn du mich liebst, mußt du mir helfen; du kannst ja deinen Körper verkaufen; ist doch alles nicht so schlimm; blablabla…). Da Landmädel nebenbei noch für den dubiosen Freund ihrer Tante arbeitet, der auch irgendwie ein Kleinkrimineller ist, glaubt sie anfangs noch, mit dem dort verdienten Geld entweder ihrem Freund helfen zu können oder im Zweifelsfall wieder nach Hause zurückzufahren. Natürlich bekommt sie keinen Lohn, die Tante macht sich aus dem Staub und Landmädel bleibt allein in der Stadt zurück. Nachdem sie herausfindet, was für ein Windbeutel ihr Freund ist, versucht sie zu fliehen. Natürlich misslingt dies und schliesslich fügt sie sich in ihr Schicksal als Strassennutte.

Auch die folgenden Geschichten laufen nach ähnlichen Strickmustern ab. Ich erspare dem geneigtem Leser weitere Details. Die Grundaussage der einzelnen Stories ist dabei im Grunde immer gleich: minderjährige Mädchen werden mehr oder weniger freiwillig zu Prostituierten, die Eltern sind entweder desinteressiert an den Tätigkeiten ihres Nachwuchs oder haben selbst jede Menge Dreck am Stecken und alle jungen Männer in Italien sind Kleinkriminelle oder Zuhälter.
Auffallend an dem Streifen ist dabei die grundsätzliche Verachtung, die den Mädchen (übrigens nicht nur von Männern, auch die Frauen betätigen sich fleissig als Mädchenhändler) vor allen in Worten entgegengebracht wird. Die Mädels gelten generell nur als Stück Fleisch, die Ausdrucksweise schwankt zwischen pervers und absolut unterster Sprachschublade. Das mag ja nun in Zuhälterkreisen tatsächlich so sein. Trotzdem strotzen die Dialoge vor Plattitüden und Hohlheit. Jegliche Intelligenz in der Handlung sucht man vergebens. Zugegeben, Exploitationfilme (und als solchen verstehe ich dieses Machwerk zumindest) sind selten ein Ausbund an Intelligenz. Aber im Vergleich zu diesem „Bahnhofskino“-Film ist jeder „Emanuelle“-Streifen ein wahrer Geniestreich.

Die vom „X“-Label herausgebrachte Fassung wirbt voller Stolz damit, daß sie 28 Minuten länger als die deutsche Kinofassung (was?? So ein Scheiß lief in Kinos? Grundgütiger!) ist und sogar 10 Minuten länger als die Originalfassung, beinhaltet sie doch zusätzliche Hardcore-Szenen. Diese kann man getrost an einer Hand abzählen und bildqualitativ sind diese Szenen auch noch derart schlecht, daß ein tausendmal abgenudeltes VHS-Band dagegen wie ein HD-Film aussieht. Insgesamt zieht sich die Chose also sage und schreibe zwei Stunden und fünf Minuten hin….unfassbar eigentlich, eine so lange Zeit mit Nichts zu füllen. Der Begriff vom verschwendeten Zelluloid gewinnt hier eine ganz neue Bedeutung.


Fazit:
Was bleibt als Schlußbemerkung zu diesem für so ein Machwerk eigentlich schon viel zu langen Review festzuhalten? Dumm, dümmer, Malavita. Oder, um den heißgeliebten katholischen Filmdienst zu zitieren: „Wir raten ab“. Ehrlich, normalerweise kann ich solche Sprüche wie „Unsinn, den die Welt nicht braucht“ eigentlich nicht leiden. In diesem Falle trifft er aber wohl zu. Selbst für Fans der „Schulmädchen“-Reihe dürfte hier wohl ein fader Geschmack zurückbleiben. Ein Film an dem nichts, aber auch gar nichts auch nur ansatzweise gut ist. Schlechte Darsteller, holprige Kameraführung, blöde Story, geistlose bis ausgemacht dumme und ausgesprochen frauenfeindliche Dialoge (die in dem Fall selbst mich zutiefst empören) und der Eindruck, kostbare Lebenszeit verschwendet zu haben. Nein Herr Lizzani (so der Name des Regisseurs), das war ja wohl nichts!

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