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Alt 24.01.2010, 18:50
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Notrated 2019: Dopo la caduta di New York

Deutscher Titel: Fireflash - Der Tag nach dem Ende

Italien, 1983

Laufzeit: 91min





New York im Jahre 2019: Die Erde ist nach einem Atomkrieg verseucht und verwüstet, ein Überleben nur noch zwischen Trümmern und in den Abwasserkanälen möglich. Um die menschliche Rasse zu retten, wird eine fruchtbare Frau gesucht. Flash, ein mutiger Endzeit-Söldner, soll sie finden und in Sicherheit brignen. Gehetzt von den mächtigen und brutalen Eurakern gehen Flash und seine Gehilfen bei der Erfüllung ihrer Mission durch die Hölle. New York City versinkt im Blut.

Hell yeah, das hört sich doch mal nach so richtig schönem Trash an - und oh Wunder - genau das ist dieses kleine Filmchen auch. Außerdem bietet der Streifen ein Palette an Referenzen, dazu gleich mehr.

Am Anfang des Films wird uns erklärt, daß wir im Jahr 8 nach dem großen Atomkrieg sind. Zwei Machtblöcke haben gegeneinander gekämpft: die (als böse dargestellten) Euraker gegen die panamerikanische Föderation (erste Referenz: Nineteen Eightyfour). Die Menschheit ist vom Aussterben bedroht, weil die Frauen ihre Gebärfähigkeit verloren haben. Die Machtblöcke sind nun auf der Suche nach Frauen, die noch zeugungsfähig sein könnten, um die Menschheit wieder aufzubauen.
Zu Beginn sehen wir unseren Helden, Flash, noch in der Wüste ein Autorennen fahren, bei dem es nur eine Regel gibt: Gewinner ist derjenige, der überlebt; das ist natürlich Flash. Bald darauf wird er von der panamerikanischen Föderation entführt und von einem General, den er wohl nur allzu gut kennt, beauftragt, nach Manhattan, in die Hochburg der Euraker, zu gehen um dort eine Frau ausfindig zu machen (zweite Referenz: Die Klapperschlange). Man weiß nämlich, daß diese Frau gebären kann und will sie unbedingt haben, um sie auf eine sichere Raumstation zu schaffen (umgekehrte Referenz: Children of Men. Der vielgerühmte Streifen hat hier fast die komplette Storyline geklaut). Flash werden zwei Helfer zur Seite gestellt, Ratchet und Bronx. Letzterer kennt sich gut in Manhattan aus, da er "mit allen Ratten in New York per Du" ist.

Man kämpft sich also bis nach Manhattan vor und hat unterwegs einige interessante Begegnungen und Kämpfe zu bestehen. Zwischendurch bleibt immer wieder Zeit zu philosophieren, ob die Menschheit es überhaupt wert sei, erhalten zu werden. Nach einige actionreichen Schlachten flüchtet man schließlich mit einem mit Panzerplatten bewehrten Fahrzeug (dritte Referenz: Mad Max) durch den Lincolntunnel und trifft schließlich sogar noch auf einen Replikanten (vierte Referenz: Blade Runner). Am Ende gelingt aber die Flucht und die vielleicht letzte gebärfähige Frau wird Richtung Raumstation verfrachtet.

Die Einzelheiten der Handlung innerhalb Manhattans hab ich jetzt mal bewusst ausgespart. Es ist nämlich recht interessant selber zu sehen, wie die Truppe von einer freakigen Gruppierung zur nächsten stolpert, bis sie schlußendlich sogar bei den "Affen", geführt von "Big Ape" (gespielt von George Eastman), landen (nächste Referenz: die Masken sind teils eins zu eins vom "Planet der Affen" übernommen). Im krassen Gegensatz zum Riesen Eastman hat man es auch noch mit einer Bande Zwerge zu tun. Herrlich hanebüchen, das Ganze.

Wie man schon sieht, strotzt dieses B-Filmchen vor Anleihen berühmterer Vorbilder und vermengt diese zu einer wilden, achterbahnfahrt-gleichen Story, die sich verzweifelt um Ernsthaftigkeit bemüht. Dies gelingt allerdings nur bedingt, dafür ist der Trashfaktor einfach zu hoch. Andererseits kann man den Machern keine groben Patzer vorwerfen, im Gegenteil: die Mühe, die hier in das schmale Budget investiert wurde, ist vorbildlich. Die Bauten sind äußerst stimmig und glaubwürdig umgesetzt, die Schauspieler bemühen sich um Ernsthaftigkeit, die Actionszenen sind ordentlich (auch die teils recht splattrigen FX-Einlagen) und auch die Logik innerhalb der Geschichte wirkt halbwegs überzeugend. Trotzdem will der Film seine B-Movie Eigenschaften nicht verschweigen und warum auch, das trägt nicht unerheblich zum Charme des Streifens bei.

Eigentlich kann man nur einen Vorwurf anbringen, welcher aber an viele Endzeitstreifen zu richten wäre, zumindest meiner Meinung nach: obwohl die Zeit zwischen der Apokalypse und dem Jetzt relativ kurz ist, scheinen die Menschen an sich schon viel weiter degeneriert zu sein. Mann kann das natürlich auf den radioaktiven Fallout schieben. Andererseits sind aber auch viele Erinnerungen an die "Zeit davor" verloren, und das kann ich so nur schwer nachvollziehen. Ich für meinen Teil kann mich an die Welt vor...sagen wir mal...25 Jahren noch recht gut erinnern. Und da ja hier in diesem Fall nach dem Atomschlag niemand mehr geboren wurde, der nichts anderes kennen würde, scheinen mir manche Leute schon ein extremes Kurzzeitgedächtnis zu haben.
Aber, wie gesagt: daran kranken viele Filme dieses Genres.


Fazit:
der Film ist ein typisches Kind seiner Zeit; ein 80er B-Movie Actionkracher, wie man ihn sich vorstellt. Rüde und gradlinig, dennoch aber mit einem gewissen Hang zur philosophischen Tiefe, auch wenn dieses Element meist untergeht. Eindeutig jedenfalls ein besserer Vertreter des Endzeit-Krawallkinos, bei dem das Zuschauen nicht langweilig wird.
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