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Alt 14.07.2010, 15:02
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Notrated Subconscious Cruelty

Deutscher Titel: Subconscious Cruelty (nicht auf Deutsch verfügbar)

Kanada, 1999

Laufzeit: ca. 80 Minuten





In SUBCONSCIOUS CRUELTY sehen wir uns mit drei unterschiedlichen und doch zusammenhängenden Episoden konfrontiert: „Human Larvae“ ist die Geschichte einer besessenen Hassliebe zwischen einem Mann und seiner schwangeren Schwester, die in einer dramatischen Geburtsszene mündet.
„Rebirth“, die zweite Episode, zeigt eine heidnische Feier, die orgiastisch-sexuelle Verehrung der Natur. Nackte Körper, Erde und Bäume verschmelzen zu einer archaischen Feier des Lebens.
Der Höhe- und Endpunkt des Films ist „Right Brain / Martyrdom“, die destruktivste Episode des Films. Hier erleben wir die an Visionen von Hieronymus Bosch orientierte Unterweltreise eines Mannes, der die gewaltsame Auflösung seines Körpers und schließlich eine Kreuzigung am eigenen Leib erlebt. Grellbunte, meist düstere Bilder werden mit ausgefeiltem Tondesign zu atemberaubenden Visionen des menschlichen Unterbewusstseins gestaltet...


Soweit die Inhaltsangabe dieses äußerst seltsamen Streifens, der auf dem FantasyFilmFest, wo er erstmals ungeschnitten gezeigt wurde, für einen Skandal sorgte: verabschiedeten sich doch viele Zuschauer mitten im Film angeekelt aus dem Saal und gingen erst mal eine Runde kotzen.

Zugegeben: die bildliche Darstellung des Gezeigten ist härteste Kost an der Grenze des Ansehbaren. Bis dahin gibt es aber auch etliche andere Streifen, die den Magen des Rezipienten stark beanspruchen. Was diesen Film allerdings heraushebt ist sein Kunstanspruch, bzw. wird ihm dieser von diversen Kritikern angedichtet. Wie bei den meisten Kunstfilmen kann man hier geteilter Meinung sein. Sicherlich blieb auch mir die Metabotschaft nicht verborgen, dennoch hadere ich mit der Umsetzung. Direkt nach Ansicht des Films hatte sich mir ein Bild des Filmemachers im Kopf festgesetzt als eine Person, die gravierende Probleme mit Sexualität und Religion hat. Und da man als moderner Künstler seine Ängste und Sorgen gerne ins Licht der Öffentlichkeit rückt, ist der Kanadier Karim Hussain auch diesen Weg gegangen und läßt uns so an der Dunkelheit seines Seelenlebens teilhaben.

Ich für meine Person maße mich gar nicht an, die komplette Kunst, die in diesem Werk stecken soll, zu verstehen. Daher kann ich nur rekapitulieren, was ich gesehen habe. Alptraumhafte Bildsequenzen, versehen mit teils schrägem score, vermischten sich zu einem drogentripartigen Rausch des Ekels und Abscheus. Was man zu sehen bekommt animiert abwechselnd zu Brechreiz, Wegschauen, Neugier, Amusement, Ekel und hinterläßt am Ende ein großes Fragezeichen. Wenn der Abspann läuft, fragt man sich schon, was man da eigentlich gerade gesehen hat.

Selbst eine weitere Ablaufanalyse half mir dabei allerdings auch nicht weiter, denn der Film verzichtet auf die klassischen Ebenen der Narration. Dialog gibt es überhaupt keinen und nur in der ersten Episode hören wir den Monolog des Protagonisten aus dem off, was uns immerhin zu verstehen hilft, was er da eigentlich treibt, bzw. was ihn antreibt. Aber selbst diese "Verständniskrücken" helfen nur bedingt, das Gezeigte zu verdauen und einzuordnen. Letzlich schwankt man, ob man nun 80 Minuten seiner Lebenszeit verschwendet hat oder eines außergewöhlichen Kunstwerkes ansichtig wurde, welches immerhin sechseinhalb Jahre brauchte, um geboren zu werden.

Mein persönliches Fazit ist: zwar kapiert, aber dennoch oder gerade deswegen nicht für besonders gut befunden. Ein drogenhafter filmischer Alptraum, dem man bestenfalls die Drastik seiner Bilder zugutesprechen kann. Das reicht aber nicht, weder für einen guten Film noch für einen Kunstfilm. Auch wenn der Streifen als Protest gegen das amerikanische Mainstreamkino verstanden werden will, ist die Umsetzung meines Erachtens nicht gelungen. Wer die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit testen will, mag sich den Film mal ansehen. Ansonsten halte ich ihn eher für eine wirres Geschwurbel und eine Aneinanderreihung von Scheußlichkeiten, gleichgültig welche Botschaft damit vermittelt werden sollte. Ergo: empfehlen kann ich ihn nicht.
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