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Alt 22.09.2008, 17:12
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Fsk12 21

Deutscher Titel: 21

USA, 2008

Laufzeit: 119 min





Ben Campbell ist ein schüchterner, aber brillianter MIT-Student, der unbedingt Geld für sein Medizinstudium in Harvard benötigt. Die Lösung findet er in den Karten. Er wird von einer Gruppe von Studenten angeheuert, die jedes Wochenende nach Las Vegas fliegen; ausgerüstet mit falschen Identitäten und dem nötigen Know-how, die Karten beim Blackjack zu ihren Gunsten zu spielen. Mit dem unorthodoxen Matheprofessor und Statistikgenie Micky Rosa als ihren Anführer knacken sie den Code. Durch Kartenzählen und einem ausgetüftelten System von Signalen sind sie in der Lage, die Casinos zu schlagen.
Verführt durch das Geld, den Lifestyle von Vegas und von seiner sexy Teamkollegin Jill beginnt Ben, über die Stränge zu schlagen. Obwohl Kartenzählen nicht illegal ist, ist das Risiko dennoch hoch, zumal ihnen bereits der Casino-Sicherheitschef Cole Williams im Nacken sitzt.


„Inspired by a true story“ heißt es in der tagline zu diesem Film. Tatsächlich haben sich die Ereignisse so ähnlich abgespielt, mit einigen Ausnahmen. Es gab aber in der Tat eine Gruppe von MIT-Studenten, die das System zu ihren Gunsten verbiegen konnten und damit einige hunderttausend Dollar aus den Casinos herausholen konnten, bevor diese reagierten.
Die Hauptperson in diesem Film ist also Ben, ein typischer Nerd. Er ist mit seinen beiden Kumpels, ebenfalls geistige Größen, aber gesellschaftliche Nullen, damit beschäftigt, einen Wettbewerb zu gewinnen, bei dem ein Roboterauto von selbst fahren kann. Ein Projekt also, das in der wirklichen Welt kein Schwein interessiert. Durch eine schlaue Bemerkung im Mathekurs wird sein Prof Rosa auf ihn aufmerksam. Alsbald wird Ben zu einer konspirativen Sitzung hinzugezogen, in der der Prof eröffnet, wie man in Vegas richtig viel Geld machen kann. Anfangs lehnt Ben noch ab, doch der Zugzwang für sein Medizinstudium in Harvard wenigstens 300.000 Dollar locker machen zu müssen und nicht zuletzt die Tatsache, der Studentin Jill, die Mitglied im Team und in die er ziemlich verknallt ist, imponieren zu wollen, lassen seine Bedenken verschwinden.

Er schließt sich also Rosas Gruppe an und anfangs verläuft auch alles erste Klasse. Die Gruppe macht viel Geld und Ben beginnt auf seiner Studentenbude in einem Versteck Kohle für sein Studium zu bunkern. Natürlich will man aber auch die Vegas-Wochenenden geniessen und so wird auch gut Geld in den Clubs und Bars auf den Kopf gehauen. Was die Gruppe allerdings nicht weiß: Securitychief Cole Williams hat bereits ein Auge auf Ben geworfen. Er ist der letzte Dinosaurier einer aussterbenden Art, rundherum haben die Casinos angefangen, auf computergestützte Gesichtserkennungssoftware zu setzen, was seine Dienste zunehmend überflüssig macht. Aber Cole kann etwas, zu dem Computer nicht in der Lage sind: er ist ebenfalls ein Kartenzähler. Daher durchschaut er Bens Methode recht schnell, kann ihm aber nicht so recht nachweisen, wie er es genau macht. Zumindest noch nicht.

Irgendwann ist es dann soweit, daß Ben übermütig wird. Er setzt zu hoch, ignoriert die Warnzeichen seiner Teamkollegen und verliert 200.000 Dollar. Nun zeigt sich das wahre Gesicht von Rosa. Er erklärt Ben, dies sei ein Geschäft und Ben müsse ihm das verlorene Geld zurückerstatten. Davon will Ben nichts wissen und er wirft Rosa unter anderem an den Kopf, er tue ja nichts für den Gewinn, sondern halte sich nur im Hintergrund. Es kommt zum Bruch. Als Ben wieder zuhause ist stellt er nicht nur fest, daß er Rosas Mathekurs nicht bestanden hat und somit seinen Abschluß nicht erhält, zu allem Überfluss ist auch noch sein gebunkertes Geld weg. Auch seine alten Freunde, um die er sich nicht mehr gekümmert hat, wollen nichts mehr von ihm wissen.

Ben kann allerdings seine Teamkollegen überreden, es ohne Rosa in Vegas zu versuchen; schließlich bräuchten sie ihn ja nicht wirklich. Das Team macht mit, aber diesmal hat Ben richtig Pech: er läuft Williams genau in die Arme. Dieser hat so seine Methoden: da das Zählen nicht illegal ist, muß der Spieler „überredet“ werden, dies zu lassen. Und das macht man am besten in der Tiefgarage bei einer fürchterlichen Tracht Prügel. Diesmal aber schlägt Williams Ben einen Deal vor. Vor einigen Jahren, so sagt er, habe ein gewisser Micky Rosa in einer Nacht sein Casino um einen siebenstelligen Betrag erleichtert, was schlußendlich auch zum Niedergang seines Berufs geführt habe. Hinter diesem Typen sei er nun schon lange her. Er wäre bereit, Ben eine Nacht in Vegas zu schenken. Er könne behalten, was er sich erspiele, aber dafür muß er ihm Rosa bringen.

Ben geht auf den Deal ein und schafft es tatsächlich, sich nicht nur mit Rosa zu versöhnen, sondern ihn zu überreden, noch einmal an den Spieltisch zurückzukehren. In Vegas läuft die Gruppe dann genau in die geplante Falle; Williams bekommt Rosa, will aber Ben das erspielte nicht zugestehen, da er selbst ja auch keine Rente bezieht. Notgedrungen muß Ben das ganze Geld an Williams übergeben. Aber, da gibt es ja noch ein paar andere Leute, die Ahnung von elementarer Mathematik haben….

Ein durch und durch stylischer Streifen, der zwar einige Wahrheiten zurechtbiegt, aber durchaus seine Momente hat. So ist Kartenzählen tatsächlich nicht illegal, die Casinobetreiber können in so einem Fall nur von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und den Spieler des Casinos verweisen. Ob da wirklich auch „Hausschläger“ zum Zug kommen…. tja, keine Ahnung. Ich persönlich würde es nicht ganz von der Hand weisen. Natürlich wäre so ein Verhalten illegal, aber zur Aufdeckung bedarf es Beweise. Und den Amis traut man im Hinblick auf Folterung Unschuldiger mittlerweile einiges zu.
Wahr ist immerhin die Aussage, daß man Kartenzählen nicht mal einfach so durch die Lektüre eines (meist schlechten) Buchratgebers lernen kann, sondern schon wirklich extrem gut im Kopfrechnen sein muß.


Der Film selbst ist durchaus spannend (auch wenn man vergebens darauf wartet, daß einem die Zähl-Methodik des Teams genauer erklärt wird) und kann kaum langweilige Stellen aufweisen. Die Darsteller sind gut besetzt, allen voran natürlich Kevin Spacey, der dies für die größte schauspielerische Leistung seiner Karriere hält. Aber nicht, weil er plötzlich auf dem Höhenflug wäre, sondern weil er nach eigener Aussage in seiner Matheprüfung durchgerasselt ist und ihm somit die Darstellung eines Mathegenies diebischen Spaß gemacht hat. Jim Sturgess, der den Part des Ben spielt, ist mir persönlich zwar vorher noch nicht so aufgefallen, aber er macht seine Sache gut. Kate Bosworth, die Darstellerin der Jill, ist hier das, was man eine Staffage nennt; ihre Rolle ist nicht tragend, aber als supporting act ist es auch nur ihre Pflicht, sexy zu sein Bleibt noch Laurence Fishburne, der den Securitymann Cole spielt. Bei seinem Anblick hab ich mich am meisten erschreckt: meine Herren, ist der fett geworden! Solltest mal ein paar Runden auf dem Stairmaster einlegen, mein Guter. Zwischen „Matrix“ und diesem Streifen liegen rein gewichtstechnisch gesehen Welten.

Was die Kulisse angeht: naja, Vegas halt. Es mag Leute geben, die den Lichterglanz dieser Stadt und ihrer Casinos als magisch empfinden, aber ich denke, irgendwann hat man sich auch an dieser Art Stil mal sattgesehen. Vegas ist blankes Showbusiness (wer die Stadt mal tagsüber gesehen hat weiss was ich meine) und bei den Innenenaufnahmen…nun, ein Blackjacktisch ist ein Blackjacktisch. Nichts wirklich aufregendes hier, was vielleicht auch nur daran liegt, daß ich diesem ganzen Hype um die Spielerstadt nicht allzuviel abgewinnen kann. Vielleicht, weil ich kein Zocker bin.

Was bleibt ist ein Film der durchaus gekonnt den Spagat zwischen Drama und Thriller hinbekommt, was vielleicht auch daran liegt, daß das Leben selbst eben doch noch die besten Geschichten schreibt. Wie erwähnt, langweilig wird’s nicht; die knapp zwei Stunden gehen schnell vorbei.


Fazit:
Prädikat: sehenswert, nicht nur für Nerds. Klar, die Metabotschaft „Gier ist nicht gut“ ist keine Neuigkeit. Andererseits hat der Subtext „mit genügend Schläue und Professionalität kannst du sogar die allmächtigen Casinos abzocken“ durchaus seinen Reiz.

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