Cappoquin (Ceapach Choinn) / Tramore / Waterford (Port Láirge)

Das County Waterford ist für viele eher ein Durchreiseland, so auch für mich. Wenn man von Cork aus Richtung Osten unterwegs ist, nimmt man gewöhnlicherweise die N25 bis Dungarvan und biegt dann auf die R675 ab, die sich an der Küste entlang ostwärts schlängelt; eine schönes Panoramasträßchen, das rechtsseitig dauernden Meerblick bietet.

Aber natürlich gibt es auch hier etwas zu sehen. Weiter landeinwärts liegt der Ort Lismore, direkt am Quell des River Blackwater. Hier steht das Lismore Castle, unter dessen einstigen Schlossherren sich Sir Walter Raleigh befand. Heute gehört das Anwesen dem Herzog von Devonshire, der es als Feriensitz nutzt.

Östlich von Lismore findet sich die kleine Ortschaft Cappoquin, welche mit einem Wallfahrtsort punkten kann: dem Mount Melleray. Der Sage nach erschien dort 1985 in einer Grotte die Madonna zwei Kindern und prophezeite das baldige Ende der Welt. Noch heute strömen die Pilger, meist Frauen aus Ulster, zwischen dem 16. und 28. August dorthin, um zu beten und auf Erleuchtung zu hoffen. Die Mount Melleray Abbey selbst ist recht groß und architektonisch interessant; wer möchte, kann im angeschlossenen Gästehaus gegen eine Spende übernachten; außer natürlich während der angesprochenen Augusttage, da heißt es dann pilgrims only.

Einen völligen Gegensatz zur ruhigen Landgegend bildet Tramore, ein Spaß- und Badeort direkt an der „irischen Riviera“. In den Sommermonaten herrscht hier Hochbetrieb und die Uferpromenade ist rappelvoll. Abends geht man dann meist erst einmal in den Vergnügungspark, tanzt danach in einer der Discos und läßt die Nacht in einem Pub ausklingen, bevor man sich am nächsten Tag wieder in der Sonne braten läßt. Die Szenerie erinnert an eine Mischung aus Coney Island und Rimini, nur bei schlechtem Wetter kommt der Ort etwas zur Ruhe.

Am äußersten Ende der Bucht von Tramore, am Great Newton Head, findet sich eines der sehenswertesten Seezeichen der Welt: der Metal Man. 1824 wurde er von ‚Lloyds of London’ errichtet, nachdem in der Bucht immer wieder Schiffe auf Grund liefen und hunderte von Menschen ihr Leben verloren, da die Kapitäne die Tramore Bay mit der Waterford Bay verwechselten. Seitdem steht die über 4 Meter große Metallfigur, bemalt mit der Seefahrer-Kleidung seiner Zeit, auf einer 18 Meter hohen Säule und zeigt ankommenden Schiffen sehr deutlich die Richtung nach Waterford an. Richtig nahe kann der neugierige Touri dem Blechkameraden allerdings nicht kommen; hier hilft nur ein gutes Teleobjektiv.

Die 50.000 Einwohner Stadt Waterford ist nach Dublin DER Seehafen der Insel. Da hier auch moderne Großcontainerschiffe anlegen können, lebt die Stadt mehr von Industrie und Handel als vom Tourismus. Dementsprechend mager sind die viewpoints. Man kann sich die am Merchants Quay angesiedelte Ausstellung „Waterford Treasures“ ansehen, die durch die Stadtgeschichte führt oder den Reginald’s Tower besuchen, in dem einst der Normannenführer Strongbow die Tochter von Dermot MacMurrough heiratete, und welcher heute ein Heimatmuseum beherbergt. Für Freunde kirchlicher Architektur bieten sich Besichtigungen der Christ Church Cathedral oder der Holy Trinity Cathedral an.

Grundsätzlich begegnet man Waterford aber fast überall auf der Insel, in Form des weltbekannten Waterforder Kristall, dessen Glasmanufaktur natürlich auch besichtigt werden kann. Egal wo man hinfährt (um mal einen Satz zu prägen): from Bantry Bay up to Derry Quay and from Galway to Dublin Town – in jedem Souvernirshop findet sich auch irgendein Stück aus Waterford Crystal.