Belfast / Larne / Glenariff / Carrick-a-Rede / Bushmill / Giant's Causeway / Dunluce Castle

 

Obwohl es eigentlich ein eigener Bezirk ist und nicht zu Antrim gehört, wollen wir unseren Streifzug duch das County trotzdem hier beginnen: in der Hauptstadt Nordirlands, Belfast.

Da es sich bei Belfast um eine Großstadt mit gut einer halben Million Einwohnern handelt, gibt es natürlich entsprechend viel zu sehen. Bei meinem letzten Aufenthalt war es wegen des anhaltend schlechten Wetters nur eine Durchgangsstation. Wer aber alles oder zumindest vieles hier sehen und erleben möchte, kann locker eine Woche Aufenthalt einplanen, oder sich eben im Rahmen einer reinen Städtereise verlustieren. Wie bei allen größeren Städten würde die Aufzählung aller Sehenswürdigkeiten den Rahmen hier sprengen und für ein kleines Büchlein ausreichen. Ich beschränke mich daher auf einen kleinen Abriß.

Zweifellos sucht man zunächst die Stadtmitte der 1177 von den Normannen gegründeten und mit dem Namen Béal Feirste (Mündung des Fjords) versehenen Ansiedlung auf. Dort stößt man auf eine der Hauptattraktionen der Stadt, die City Hall. Das 1906 erbaute, pompöse Rathaus ist nicht nur politisches, sondern auch geografisches Zentrum der Stadt. Für die Fertigstellung mußte die legendäre Linen Hall weichen, was den ortsansässigen Iren ziemlich sauer aufstieß und sie in ihrem Widerstandskampf gegen die britische Krone weiter bestärkte.
Ausgehend von der City Hall am Donegall Square kann man nun einen gemütlichen Spaziergang ums Karree machen (im Wortsinne) und stößt dabei auf weitere Sighseeingpoints wie die Albert Clock, das Opernhaus und das Theater. Für mehr blieb mir beim letzten Mal nicht die Zeit (wie gesagt, absolutes Sauwetter), aber es gibt bestimmt noch mehr zu sehen in einer der interessantesten und gleichzeitig zerissensten Städte Irlands.
Wir streben nordöstlich und gelangen schließlich nach Larne, einer recht grauen Hafenstadt. Wer mit der Fähre aus Schottland anlandet, wird gleich mit einem mannshohen Graffiti begrüßt, das zeigt, woher der Wind weht: „No popery here“ (Kein Pfaffentum hier). Na also gut; die Larner sind demnach säkularisiert …
Einzige wirkliche Sehenswürdigkeit ist der Chaine Memorial Tower am Hafen, einem umgebauten alten Klosterturm, der dem Abgeordnete James Chaine gewidmet ist, welcher dafür sorgte, daß Schiffe aus Schottland und Amerika hier und nicht anderswo anlegten. Gut für die Wirtschaft der Stadt war das allemal.

Weiter nördlich liegt der Glenariff Forest Park. Für uns mag der 1200 Hektar große Naturpark nicht so der Reißer sein, erinnert einen die Szenerie doch stark an österreichische oder schweizerische Berglandschaften. Für die in dieser Hinsicht eher wenig verwöhnten Iren ist das aber natürlich etwas Besonderes und für einen gemütlich Nachmittagsspaziergang eignet sich das Gelände allemal.

An der Nordküste angelangt stoßen wir schließlich auf Carrick-a-Rede und die berüchtigte Rope Bridge, ein windiges Hängebrückchen, die das Festland mit einem vorgelagerten Felsen verbindet. 25 Meter über dem tosenden Meer ist die Überquerung eher nichts für ängstliche Seelen. Wer es trotzdem wagen will, muß auch etwas Glück mit dem Wetter haben. Bei schwerem Windgang oder strömendem Regen ist die Brücke aus Sicherheitsgründen geschlossen; vom September bis Mai ist sie gar ganz abgebaut.

Auf dem Weg nach Westen lohnt sich für den Liebhaber edler Tropfen ein Abstecher in die Old Bushmills Destillery. Hier kann man an einer Werksbesichtigung teilnehmen und anschließend feinsten irischen Whiskey verkosten. Selbstverständlich gibt es auch einen Werksverkauf, den man aber wegen der hohen Steuern auf Alkohol in Irland besser meiden sollte. Der Einkauf des edlen „Wasser des Lebens“ ist zuhause deutlich günstiger.

Weiter führt uns der Weg an der Küste entlang, auf dem man schließlich auf die berühmteste Touristenattraktion Nordirlands stößt: den Giants Causeway. Das Naturschaupiel selbst ist in der Tat sehr beeindruckend. So ganz sicher ist man sich über die Entstehung der etwa 37.000 steinernen Säulen bis heute nicht. Die Theorien reichen vom versteinerten Bambuswald über aus dem Meer gewachsene Kristalle bis hin zu Überbleibseln einer Vulkaneruption. Letzteres ist heute aktueller Stand der Wissenschaft.
Viel wahrscheinlicher ist aber, was die alten irischen Sagen erzählen. Demnach hatte der irische Riese Finn Mac Cumhaill eine Brücke über das Meer nach Schottland gebaut, um einen dort ansässigen Riesen zum Duell herauszufordern. Allerdings verließ ihn dann der Mut – der Schotte aber verfolgte ihn. Da griff Finn zu einer List: er legte sich in eine Wiege und täuschte vor, ein Baby zu sein. Als der Schotte schließlich in sein Haus kam, sah er das Baby, überlegte wie groß wohl erst der Vater sein müsse und ergriff seinerseits die Flucht. Auf seinem Rückweg zerstörte er dabei die Brücke, um bloß nie auf diesen irischen Riesen treffen zu müssen. Der Causeway in seiner heutigen Form sind also die letzten noch sichtbaren Reste dieser Landbrücke. Klingt für mich ziemlich glaubhaft ;-)

Den Abschluß unserer Fahrt an der Küste von Antrim bildet das Castle Dunluce. Die auf einem Felsensporn direkt am Meer gelegene Burg hat eine ebenso wechselhafte wie interessante Zeit hinter sich. Die Geschichte um die Festung und ihre Bewohner umfasst alle Schattierungen; es geht um Lug und Trug, Habgier, Verrat und Mord und endet schließlich in einer Tragödie. 1639 brach bei einem Unwetter der Küchentrakt ab und stürzte mit Mann und Maus ins Meer. Das gesamte Küchenpersonal kam dabei ums Leben. Kurze Speit später reichte es der Burgherrin McDonnell dann endgültig, die Familie zog nach Glenarm und überließ die Burg ihrem Schicksal. Heute kann die Ruine gegen einen Eintritt von zuletzt 2,- Pfund besucht werden.